Carmen Schlegel, Sie sind Qualitätsmanagerin bei Chiresa. Können Sie sich bitte kurz vorstellen und erzählen, welche Aufgaben Sie in dieser Funktion übernehmen?
Ich bin seit vier Jahren bei Chiresa und von Anfang an für das Qualitätsmanagement verantwortlich. In den vergangenen Jahren durfte ich das Qualitätsmanagementsystem umfassend weiterentwickeln. Gemeinsam mit dem Team haben wir Prozesse neu aufgenommen, Dokumente überarbeitet und ein System geschaffen, das heute die Grundlage für unsere tägliche Arbeit bildet.
Mein Weg ins Qualitätsmanagement war eher ein Zufall. Ursprünglich habe ich mich bei Chiresa als Laborleiterin beworben. Ich komme aus der Pharmaindustrie, habe Chemielaborantin gelernt und später eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung absolviert. Im Bewerbungsgespräch wurde ich dann gefragt, ob ich mir statt der Laborleitung auch die Verantwortung für das Qualitätsmanagement vorstellen könnte. Die Aufgabe klang spannend und ich dachte mir: Warum nicht einmal etwas Neues wagen? So bin ich schliesslich im Qualitätsmanagement gelandet.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag als Qualitätsmanagerin aus und welche Projekte gehören zu Ihrem Verantwortungsbereich?
Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es im Qualitätsmanagement eigentlich gar nicht. Meine Arbeit richtet sich immer danach, welche Themen gerade anstehen – mal überarbeiten wir Prozesse, mal passen wir bestehende Abläufe an. Ein anderer Schwerpunkt ist die Vorbereitung auf Audits. Bei uns steht jedes Jahr eine Zertifizierung an und je näher der Termin rückt, desto mehr Zeit nimmt natürlich die Auditvorbereitung in Anspruch. Dann geht es darum, Dokumentationen zu prüfen, Informationen zusammenzutragen und sicherzustellen, dass alle Anforderungen erfüllt sind. Deshalb gleicht eigentlich kein Tag dem anderen und ich habe keinen festen Tagesablauf, wie man ihn beispielsweise aus der Produktion kennt.
Aktuell begleite ich gemeinsam mit einem Kollegen die Einführung eines neuen Schliesssystems. Hintergrund sind gesetzliche Anforderungen in der Schweiz, für deren Umsetzung ich im Qualitätsmanagement verantwortlich bin. Gemeinsam erarbeiten wir ein Konzept, das die gesetzlichen Vorgaben erfüllt und gleichzeitig die Sicherheit auf unserem Betriebsgelände gewährleistet.
Ausserdem bin ich regelmässig an unseren verschiedenen Standorten unterwegs. Ein festes Büro habe ich gar nicht, da ich unter der Woche meistens zwei bis drei Tage in an unseren Standorten Turgi oder Full-Reuenthal bin – je nachdem, wo gerade Projekte oder Termine anstehen. Für Schulungen oder andere standortübergreifende Aufgaben bin ich aber auch in Schaffhausen, dem Hauptsitz der REMONDIS Schweiz AG oder in der Westschweiz unterwegs. Gerade diese Abwechslung zwischen den Standorten und den unterschiedlichen Themen macht die Arbeit für mich besonders spannend. Und zwischendurch arbeite ich natürlich noch im Home Office.
Mit welchen Abteilungen arbeiten Sie bei Chiresa besonders eng zusammen?
Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit unserem Betrieb, denn dort entstehen viele der Optimierungen, die wir gemeinsam umsetzen. Mit dem Vertrieb habe ich dagegen eher punktuell zu tun, beispielsweise wenn Audits stattfinden und wir als Unternehmen geprüft werden.
Daneben arbeite ich sehr eng mit unserem EHS-Bereich zusammen. EHS steht für Environment, Health and Safety. Gerade beim Thema Arbeitssicherheit überschneiden sich unsere Aufgaben, unter anderem weil wir nach der internationalen Norm ISO 45001 für Arbeits- und Gesundheitsschutz zertifiziert sind. Deshalb stimmen wir viele Themen eng miteinander ab.
Welche Bedeutung hat Qualitätsmanagement für ein Sonderabfallunternehmen wie Chiresa?
Gerade in der Sonderabfallbranche ist Qualitätsmanagement unverzichtbar. Wir arbeiten täglich mit gefährlichen Abfällen und sind deshalb an zahlreiche gesetzliche Vorgaben und Verordnungen gebunden. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, sicherzustellen, dass diese Anforderungen eingehalten und im Unternehmen umgesetzt werden.
Hinzu kommen unsere Zertifizierungen nach den internationalen Normen ISO 9001 für Qualitätsmanagement, ISO 14001 für Umweltmanagement sowie ISO 45001 für Arbeits- und Gesundheitsschutz. Diese Zertifizierungen sind für uns nicht nur ein Qualitätsnachweis, sondern in vielen Bereichen auch eine wichtige Voraussetzung für unsere tägliche Arbeit. Beispielsweise könnten wir ohne diese Zertifizierungen bestimmte Abfallströme gar nicht exportieren und damit nicht alle Sonderabfälle fachgerecht weiterbehandeln oder entsorgen. Deshalb reicht es nicht aus, Prozesse lediglich zu dokumentieren. Entscheidend ist, dass die vereinbarten Standards im Arbeitsalltag umgesetzt werden.
Was bedeuten die ISO-Zertifizierungen konkret für Kundinnen und Kunden der Chiresa?
Für unsere Kundinnen und Kunden schaffen die ISO-Zertifizierungen vor allem Vertrauen und Sicherheit. Die internationalen Normen sind weltweit anerkannt und definieren klare Standards. Unsere Kunden wissen dadurch, welche Anforderungen wir erfüllen und nach welchen Prozessen wir arbeiten. Gleichzeitig bedeutet eine Zertifizierung, dass wir nicht nur die gesetzlichen Vorgaben einhalten, sondern unsere Prozesse regelmässig überprüfen und kontinuierlich weiterentwickeln. Die Zertifizierungen werden in wiederkehrenden Audits kontrolliert. Dadurch können unsere Kundinnen und Kunden darauf vertrauen, dass wir gefährliche Abfälle nach klar definierten und nachvollziehbaren Standards behandeln. Viele Unternehmen legen bei der Auswahl eines Entsorgungspartners grossen Wert auf solche Zertifizierungen.
Welche Rolle spielen gesetzliche Vorgaben im Qualitätsmanagement und welche Folgen hätte es, wenn Qualitätsstandards nicht eingehalten würden?
Gesetzliche Vorgaben spielen im Qualitätsmanagement eine zentrale Rolle. Deshalb überprüfen wir zweimal im Jahr systematisch, ob sich Gesetze oder Verordnungen geändert haben und welche Auswirkungen diese Änderungen auf unsere Arbeit haben. Werden neue Anforderungen eingeführt, ist es unsere Aufgabe im Qualitätsmanagement, diese zu bewerten und an die jeweiligen Bereiche im Unternehmen weiterzugeben. Je nachdem, wen die Änderungen betreffen, informieren wir den Betrieb, den Verkauf oder die Geschäftsführung und begleiten die Umsetzung der neuen Vorgaben.
Werden Prozesse oder Qualitätsstandards dagegen nicht konsequent eingehalten, kann das weitreichende Folgen haben. Intern kann das in der Theorie zu unklaren Abläufen, zusätzlichem Zeitaufwand oder einer ineffizienten Nutzung von Material und Personal führen. Noch schwerwiegender wären jedoch die Auswirkungen auf die Zertifizierungen eines Betriebes. Würden ein Entsorgungsunternehmen diese verlieren, könnte es bestimmte Abfallströme nicht mehr exportieren. Das hätte erhebliche Konsequenzen und würde die Arbeit im Bereich der Sonderabfallentsorgung massiv einschränken. Aber um genau das zu verhindern, gibts es ja in allen Schweizer Entsorgungsunternehmen ein Qualitätsmanagement.
Welche Herausforderungen prägen das Qualitätsmanagement bei Chiresa heute und in Zukunft?
Nachdem wir in den vergangenen Jahren das Qualitätsmanagementsystem optimiert haben, liegt unser Fokus heute darauf, dieses System im Arbeitsalltag weiter zu verankern. Mir ist wichtig, dass alle Mitarbeitenden die vorhandenen Prozesse aktiv nutzen – sei es, indem sie Ereignisse dokumentieren, auf die aktuellen Dokumente zugreifen oder Verbesserungsvorschläge einbringen. Nur wenn das Qualitätsmanagement von allen gelebt wird, kann es seine Wirkung im Unternehmen entfalten.
Eine weitere Herausforderung sind unsere jährlichen ISO-Audits. Sie gehören zwar zu unserem Alltag, erfordern aber jedes Jahr eine intensive Vorbereitung. Prozesse müssen überprüft, Dokumentationen aktualisiert und Nachweise zusammengestellt werden. Das ist ein kontinuierlicher Prozess und nicht nur eine Aufgabe kurz vor dem Audit. Unser Anspruch an unsere Arbeit und die Abläufe ist stets auf dem höchsten Niveau.
Qualitätsmanagement wird manchmal als zusätzlicher Aufwand wahrgenommen. Deshalb gehört es auch zu meiner Aufgabe, den Mitarbeitenden zu zeigen, welchen Mehrwert klare Prozesse und eine saubere Dokumentation für ihre tägliche Arbeit haben.
Was motiviert Sie jeden Tag an Ihrer Arbeit und wie schaffen Sie nach einem Arbeitstag den Ausgleich?
Heute schätze ich vor allem die Vielseitigkeit meiner Arbeit. Kein Tag ist wie der andere und ich arbeite mit den unterschiedlichsten Menschen und Fachbereichen zusammen. Jeder bringt seine eigene Perspektive ein und kann dazu beitragen, Prozesse weiterzuentwickeln und zu verbessern. Genau diese Zusammenarbeit über alle Bereiche hinweg macht meinen Beruf für mich so spannend und sorgt dafür, dass ich jeden Tag gerne zur Arbeit komme.
Wenn ich nach der Arbeit einen Ausgleich suche, zieht es mich meistens nach draussen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs – beim Wandern oder Klettern. Dort kann ich abschalten, neue Energie tanken und den Kopf frei bekommen. Hauptsache, ich bin an der frischen Luft.
Ihr abschliessendes Fazit: Welche Chancen bekommt ein Sonderabfallunternehmen wie Chiresa neben der Einhaltung aller Regularien durch das Qualitätsmanagement?
Qualitätsmanagement sorgt dafür, dass alle Prozesse im Unternehmen ineinandergreifen. Natürlich könnte ein Unternehmen auch ohne eine eigene Fachperson arbeiten, aber dann wären viele Abläufe nicht einheitlich dokumentiert, Verantwortlichkeiten wären weniger klar geregelt und wertvolles Wissen würde mit der Zeit verloren gehen. Gerade in einem Unternehmen wie Chiresa, das täglich mit gefährlichen Abfällen arbeitet, ist eine saubere Dokumentation jedoch unverzichtbar.
In den vergangenen vier Jahren haben wir deshalb Schritt für Schritt die bestehenden Prozesse überarbeitet, Lücken geschlossen und ein Qualitätsmanagementsystem aufgebaut, das heute eine verlässliche Grundlage für unsere tägliche Arbeit bildet. Dieses System hilft uns nicht nur dabei, gesetzliche Anforderungen und Zertifizierungen einzuhalten, sondern schafft auch Transparenz über sämtliche Abläufe im Unternehmen.
Für mich ist Qualitätsmanagement deshalb weit mehr als Dokumentation oder Audits. Es schafft die Grundlage dafür, Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln, effizienter zu gestalten und das Unternehmen langfristig zukunftssicher aufzustellen.
Bildnachweis: Carmen Schlegel